Retten
Im Einsatzfall zählt jede Sekunde. Unsere Aufgabe ist es, Menschen und Tiere aus Gefahrensituationen schnell und sicher zu retten.
Das ‚Retten‘ ist unsere wichtigste und vordringlichste Aufgabe. Hierbei geht es darum, Menschen und Tiere aus lebensbedrohlichen Zwangslagen zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Das Spektrum reicht von der Personenrettung aus brennenden Gebäuden unter schwerem Atemschutz über das Befreien eingeklemmter Unfallopfer aus Fahrzeugen bis hin zur Rettung aus Gewässern oder großen Höhen. Dabei arbeiten wir oft Hand in Hand mit dem Rettungsdienst. Wenn Leben in Gefahr ist, zählt für uns jede Sekunde.

Das Fundament
Die Statik


Fahrzeuge, die auf der Seite liegen oder im Graben hängen, sind ein labiles System. Jede Erschütterung durch hydraulische Geräte oder einsteigende Retter verändert den Schwerpunkt. Unser oberstes Gebot: Nichts darf sich unkontrolliert bewegen.
Fundament legen
Bevor wir schneiden, muss Ruhe einkehren
Ein wackeliges Fahrzeug ist lebensgefährlich. Für den Patienten bedeuten Erschütterungen Schmerzen und das Risiko von Lähmungen bei Wirbelsäulenverletzungen. Für die Mannschaft besteht Quetschgefahr, wenn das Wrack abrutscht.
Wir greifen aktiv in die Statik ein. Mit dem Stab-Fast-System (Teleskopstützen) bauen wir ein festes Dreieck zum Untergrund auf. Wir leiten die Kipp-Kräfte direkt in den Boden ab und „frieren“ das Fahrzeug in seiner Position ein. Erst wenn das Wrack quasi ein Teil des Bodens ist, beginnt die Rettung.
Beispielgrafik
Dreipunkt Sicherung

Der Zugang
Glasmanagement

Transparente Gefahr. Bevor wir mit hydraulischem Gerät arbeiten, müssen wir „aufräumen“. Unter der enormen Verwindung beim Schneiden zerspringen Autoscheiben explosionsartig. Wir entfernen sie kontrolliert, um Versorgungsöffnungen zu schaffen und Verletzungen zu vermeiden.
Freie Sicht, freier Weg
Warum wir Scheiben kleben und körnen
Sicherheitsglas zerfällt in tausende Würfel (Krümelglas). Dieser Glasstaub ist extrem gefährlich für die offenen Wunden und Augen des Patienten sowie die Atemwege der Retter im Innenraum.
Wir gehen strategisch vor: Verbundglas (Frontscheibe) wird mit dem Glasmaster gesägt. Seitenfenster kleben wir vollflächig ab, bevor wir sie mit dem Federkörner sprengen. So ziehen wir die Scheibe als ganzes Paket nach außen weg – der Innenraum bleibt sauber.
Beispielgrafik
Glasmanagement
Die Strategie
Rettungsstrategie


Der Patient bestimmt das Tempo. Nicht jeder Unfall ist gleich. Der Einsatzleiter muss in Sekundenbruchteilen entscheiden: Haben wir Zeit für Perfektion oder zählt jede Sekunde ums Überleben? Diese Entscheidung bestimmt den gesamten Takt des Einsatzes.
Schnell
oder
Schonend?
Die Abwägung zwischen Zeit und Trauma
Bei Feuer, Herzstillstand oder massivem Blutverlust gilt: „Leben vor Funktion“. Wir ignorieren mögliche Wirbelsäulenschäden teilweise, um den Patienten innerhalb von 2 Minuten aus der Gefahrenzone zu reißen (Crash-Rettung).
Ist der Patient kreislaufstabil, aber eingeklemmt, schalten wir in den Präzisionsmodus. Wir nehmen uns 20 bis 30 Minuten Zeit, entfernen das Dach und retten millimetergenau, um keine Folgeschäden an der Wirbelsäule zu verursachen. Das ist der Standardfall.
Beispielgrafik
Rettung

Die Technik
Raumschaffung

Platz ist Überleben. Moderne Autos sind Hochsicherheitszellen. Um einen eingeklemmten Menschen dort herauszuholen, reicht es nicht, die Tür zu öffnen. Wir müssen das Fahrzeug um den Patienten herum „wegbauen“, um stressfreien Zugang zu erhalten.
Cabrio Prinzip
Wenn schweres Gerät auf hochfesten Stahl trifft
In einem verformten Wrack ist kaum Platz für medizinische Maßnahmen. Der Notarzt kommt nicht an den Patienten heran, und eine Rettung durch die Seitentür würde die Wirbelsäule verdrehen (Torsion).
Mit Schere und Spreizer entfernen wir das Dach komplett. Plötzlich haben wir Arbeitsfreiheit von allen Seiten und von oben. Wir drücken den Vorderwagen weg (Cross-Ramming) oder entfernen ganze Fahrzeugseiten, um den Patienten maximal freizulegen.
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Großflächige Rettung
Das Ziel
Achsengerechte Rettung

Das Finale. Der letzte Schritt aus dem Fahrzeug ist oft der kritischste. Unser Ziel ist es, den Patienten so zu bewegen, als läge er auf Schienen – ohne Drehung, ohne Knicken, ohne Rotation der Wirbelsäule.
Wie auf Schienen
Der Einsatz des Spineboards
Jede unkontrollierte Bewegung eines Verletzten kann bei einem Wirbelbruch dazu führen, dass Knochensplitter das Rückenmark verletzen. Eine Querschnittslähmung wäre die Folge. Herkömmliches "Rausziehen" ist tabu.
Wir schieben ein hartes Rettungsbrett (Spineboard) unter den Patienten. Dann ziehen wir ihn in einer Linie (meistens nach hinten über den Kofferraum) aus dem Fahrzeug. Die Wirbelsäule bleibt dabei absolut gerade und entlastet.
Beispielgrafik



